Rezensionen

September 2019

 

Grüne Hügel

 

Frau Wilke,

Ihr Buch hat mir gut gefallen - frisch und spritzig geschrieben! 

Auch ist es eine schöne Liebeserklärung an Ihren Mann. 

Weiterhin noch viele kreative Gedanken ... 

Herzlichst 

Inge Schäfer


16. März 2014 

 

Feldpost - Meine Welt ist eine andere geworden

 

Zeitzeugen des 2. Weltkriegs gibt es immer weniger. Wenn solche über ihre Erlebnisse berichten, dann standen oft einzelne Ereignisse im Mittelpunkt. Umso mehr haben mich die gesammelten Feldpostbriefe des Soldaten Bury beeindruckt. Diese sind zwar an seine Ehefrau gerichtet, haben aber für uns alle eine große Bedeutung. Fast über die gesamte Kriegszeit berichtet er sehr anschaulich und detailliert über das, was er in den Kriegsjahren erleben musste.

Seine Gefühle, Gedanken und auch zunehmenden Zweifel aller Art bis zu den schrecklichen Abwehrkämpfen an der Ostfront versteht er ausgezeichnet zu vermitteln. Aus den fast friedlichen Zeiten in Norwegen mit der Hoffnung auf einen schnellen Einsatz in England werden in Russland bittere Verzweiflung und Todesangst. Nur der Gedanken an die glückliche Familie war ein Hoffnungsschimmer und half ihm zu überleben.

Mit Glück gelangte er in amerikanische Gefangenschaft. Das Hungerlager Bad Kreuznach-Bretzenheim musste aber bis zu seiner Entlassung noch ertragen und überstanden werden. Viele Kameraden schafften es nicht.

Ich danke Frau Wilke-Bury für ihr Werk, das neutral und zeitgemäß widerspiegelt, was die meisten Soldaten und Menschen in Deutschland damals empfunden haben.

Eine Mahnung an uns alle: Nie wieder Krieg!

Werden die Menschen klüger? Das wollen wir wenigstens hoffen.

Das Buch leistet hierfür einen wertvollen Mosaikstein.

 

E.P.

 


29. Januar 2014

 

Feldpost - Meine Welt ist eine andere geworden

 

Sie werden weniger, die Zeitzeugen des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Die, die aus erster Hand berichten konnten, was sie erlebten, was sie erleiden mussten. Die, die Zeugnis ablegten von den Ereignissen, denen wir heute nur zu oft mit Worten wie "Wir haben genug von all dem" entgegentreten.

Es ist richtig. Wir alle wissen, was geschah. Haben uns mit den Hintergründen, den Tätern, den Opfern zur Genüge auseinandersetzen müssen. Kaum ein Tag vergeht, der uns nicht durch Medienmeldungen und Bilder an das erinnert, was vor 75 Jahren begann, um sechs Jahre darauf den folgenden Generationen einen verwundeten, ausgebluteten Kontinent zu hinterlassen.

Doch hinter nüchternen Zahlen, Fakten, Berichten und Fotos stehen oft Einzelschicksale, die das, was geschah, nicht aus der Distanz eines Historikers erlebten. Es sind Betroffene, die berichten, sei es in Form von Erzählungen und Erinnerungen, wenn sie noch unter uns leben, sei es in Form von Dokumenten und Briefe, die geschrieben wurden unter zum Teil denkbar unmenschlichen Bedingungen, in Feuerpausen oder dem unmittelbaren Einfluss von Kälte, Hunger und Todesangst.

Menschen, die Tag für Tag Tod und Verderben vor Augen sahen. Die mit Euphorie, vermittelt durch einen von krankhaften Ideologien getriebenen Machtapparat in den Kampf zogen und alsbald feststellen mussten, dass es hier nicht um Abenteuer ging.

Von einem, der teilnahm an dieser Zweitauflage der Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts, berichtet das nun von der Autorin Ingrid Wilke-Bury vorgelegte Buch "Feldpost", das kürzlich im Triga-Verlag erschien.

Durch einen Zufall fiel der Autorin, selbst Jahrgang 1940, auf dem Dachboden ihres Elternhauses ein Koffer mit Briefen in die Hände. Briefe ihres Vaters Rudolf Bury an seine Frau.

Briefe aus dem Krieg, anhand welcher sie uns ein feinmaschiges, nicht nur konturenhaftes oder schemenhaftes Bild des Kriegsalltags, kaleidoskopartig von Beginn der Mobilmachung im Herbst 1939 bis zum Zusammenbruch, den Monaten der Gefangenschaft und der doch glücklichen Heimkehr im Sommer 1945, erschließt.

Das von der Autorin in liebevoller Sorgfalt aus einem Konglomerat von über 1000 Dokumenten zusammengestellte und in chronologischer Reihenfolge abgefasste Werk vermittelt dem Leser ein Bild, das sich zunächst durch eine enorme Beobachtungsgabe, kombiniert mit einem nahezu poetischen Schreibstil ihres Vaters, auszeichnet.

Ausgefeilt und detailgetreu, selbstironisch und pointiert zum Teil, stark emotional, doch nie zu sentimental werden Szenen und Stimmungen beschrieben, die uns teilhaben lassen an den Erlebnissen eines Soldaten, Ehemanns und Vaters fern der Heimat. Voller Sorge um die daheim Wartenden. Um die geliebte Ehefrau und die soeben erst zur Welt gekommene Tochter, die er während eines Fronturlaubs das erste Mal im Arm halten darf.

Aber nicht nur der Kriegsalltag wird zum Thema seiner Briefe.

Während seines ersten Einsatzortes in Norwegen und gegen Kriegsende an der Ostfront gehen Burys Beschreibungen über landschaftliche Impressionen, über Schilderungen von Alltäglichkeiten und Skurrilitäten bei der Zivilbevölkerung, über charakterliche Stärken und Schwächen der Kameraden, über authentische Beschreibung von Angst und Not, auch und immer wieder mit der Präzision eines Buchhalters bis hin zur generalstabsmäßigen Darstellung der Gesamtsituation und zu Prognosen und Mutmaßungen über den Kriegsverlauf.

All dies zeichnet das Bild eines Menschen, der fühlte, der liebte, der von Ängsten geplagt war und sich an Hoffnungen klammerte, dessen Zukunft ungewiss war und dessen Gegenwart ihm tagtäglich vor Augen führte, wie endlich das Leben ist.

"Meine Welt ist eine andere geworden." Dieses Zitat, das Wilke-Bury auf den Einband unter den Titel gesetzt hat und das mir nach der Lektüre des Buches wie eine in Stein gemeißelte, mahnende These erscheint, sollte uns nachdenklich stimmen.

 

Reiner Bewersdorff